Schneewittchen

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Das Märchen von Schneewittchen ist ein alter Erzählstoff. Verschiedene Teile daraus wurden in der Alexander-Papatentos- und der Johanna-Serie des Mosaik ab 1976 verwendet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Schneewittchen im MOSAIK und seinem Umfeld

[Bearbeiten] Der Obsidianspiegel

In der Alexander-Papatentos-Serie erzählt der König der Armen den Abrafaxen in einem Rückblick vom eitlen Maharadscha mit der Pfauenfeder, der sich den lieben langen Tag selbstverliebt in einem Spiegel aus Obsidian betrachtete. Der Papagei des Maharadschas holte sein Herrchen schließlich aus allen Träumen, indem er behauptete, der Spiegel sei schöner.

Das ist eine Anspielung auf die böse Königin aus dem Märchen von Schneewittchen, auch wenn im Original der Spiegel selbst spricht und nicht sich selbst, sondern Schneewittchen als schöner denn die Königin erachtet.

[Bearbeiten] Johannawittchen

Die reiche Familie von Hirschenthal erliegt in der Johanna-Serie einem grausamen Schicksal: Sie stirbt fast komplett aus, wobei über das Warum und Wieso unterschiedliche Überlieferungen existieren. Hier interessiert insbesondere die Fassung, die ein alter Trinker im Gasthaus Zum tanzenden Eber dem Grafen Fennrich von Rabenhorst beichtet. Demnach sei das Antoniusfeuer schuld am Tod der Familie gewesen. Die einzige Überlebende sei ein gerade geborenes Mädchen gewesen, das seinem Onkel Arnulf von Wolfenstein übergeben wurde. Dieser wollte das Kindlein verschwinden lassen, um sein Erbe antreten zu können. Er habe es dem alten Säufer persönlich, der damals noch ein rüstiger Jägersmann war, übergeben, damit dieser es im Wald töte. Ihn habe jedoch das Mitleid übermannt und er habe das Mädchen, von einem Heiligen Hirschen geführt, vor dem Kloster St. Marien ausgesetzt.

Dort lebt das Mädchen auch Jahre später noch. Es ist von den Nonnen "Johanna" getauft worden und dient ihnen als Magd.

[Bearbeiten] ... von meinem Tellerchen gegessen

Im parodistischen Fancomic Zehn Kinder- und Jugendliteratur-Klassiker erlebt zusammen mit den Abrafaxen ... treffen die Abrafaxe auf Schneewittchen und die sieben Zwerge. Die holde Maid hat von Califax' Tellerchen genascht, wofür er sie als "verfressene Schlampe" beschimpft und nun mit seinen beiden Gefährten schleunigst das Weite suchen muss - die Zwerge sind ihnen schon auf den Spuren.

[Bearbeiten] Schneewittchen und die Aussetzung des Königskindes

Im Märchen von Schneewittchen aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm sind beide Motive enthalten: das vom Spiegel und das vom delegierten Mord samt Mitleid des Jägers. Das Mädchen ist freilich schon deutlich älter. Sie findet im Wald Unterschlupf bei sieben Zwergen, wird von ihrer bösen Stiefmutter vergiftet und schließlich von einem Prinzen gerettet.

Das in der Johanna-Serie rezipierte Aussetzungsmotiv ist interessanterweise der stoffgeschichtlich älteste Teil des Märchens und findet sich als die Aussetzung des Königskindes vielfach in Sagen und Epen. Typologisch enthält die Sage Folgendes: Das Kind (üblicherweise ein Junge) wird von einem bösen Verwandten an einen Handlanger übergeben, der es ermorden soll. Dieser hat jedoch Mitleid und setzt den Jungen lediglich in der Wildnis aus. Der Kleine wird nun von einem Tier gefunden und genährt. Später wird er von Menschen eines niederen Standes - meist Hirten - aufgenommen und großgezogen. Herangewachsen, beweist er seine Fähigkeiten als Anführer, kehrt schließlich nach Hause zurück und beansprucht erfolgreich das Erbe. (Nicht alle dieser Handlungspunkte sind in allen Aussetzungssagen enthalten.)

Es handelt sich hierbei um einen Legitimationsmythos für "Emporkömmlinge", also neue Herrscher, die ihre Macht nicht ererbt, sondern erkämpft haben. Sie erhalten durch diese Sage eine fiktive Abstammung vom alten Königshaus, so dass ihre Usurpation über diesen Umweg wieder gerechtfertigt wirkt. Das Tier, das die Mutterrolle übernimmt, ist gleichzeitig das "Totemtier" des Stammes oder Volkes, aus dem der homo novus stammt. In späteren Fassungen, als Kompilatoren diese Sagen niederschrieben, wurden oft euhemeristische Varianten geschaffen; d.h. man versuchte, das "übernatürliche" Element der Aufzucht durch ein Tier zu rationalisieren, indem man z.B. der späteren Ziehmutter einen Tiernamen verpasste. Die Aussetzungssagen werden sowohl von mythologischen als auch historischen Personen erzählt.

Hier eine Auswahl an bekannten Varianten:

  • Gilgamesch wird von seinem mütterlichen Großvater aus dem Fenster geworfen. Er wird von einem Adler gerettet und von einem Gärtner aufgezogen. Später löst er seinen Opa als König von Babylon ab.
  • Sargon wird von seiner Mutter in einem Bastkorb auf dem Fluss ausgesetzt. Er wird von einem Wasserschöpfer geborgen und aufgezogen. Später wird er zunächst Gärtner, schließlich König von Akkad.
  • Semiramis ist die Tochter der Fischgöttin Atargatis und wird in der Wüste ausgesetzt, wo sie zunächst von Tauben aufgezogen und dann von Hirten aufgenommen wird. Sie heiratet zunächst den Heerführer Onnes, dann König Ninos von Assyrien.
  • Moses wird von seiner Mutter ebenfalls in einem Körbchen ausgesetzt, diesmal auf dem Nil. Er wird von der Königstochter gefunden und im Palast erzogen. Später wird er zum Anführer seiner leiblichen Verwandten und ihres Volkes.
  • Kyros wird von seinem mütterlichen Großvater, dem medischen König Astyages, einem Beamten übergeben, der das Kleinkind töten soll. Der gibt den Jungen einem Hirten weiter, damit dieser die Tat begeht. Dessen Frau Kyno/Spako (dt. "Hund") hatte jedoch eine Totgeburt und vertauscht die Kinder. Kyros wächst bei den Hirten auf, beweist sich als Jugendlicher im "Königsspiel" mit seinen Freunden und tritt schließlich die Nachfolge von Astyages an. Er wird so der erste Großkönig des Perserreiches.
  • Auch Buddha soll als Kleinkind ausgesetzt worden sein. Schafe und Ziege nährten ihn, bis er gefunden und von Zieheltern aufgenommen wurde.
  • Zeus wurde als Frischgeborener vor seinem Vater Kronos in Sicherheit gebracht und nach Kreta gebracht. Dort wurde er von der Ziege Amalthea gesäugt.
  • Ödipus wird von seinem Vater, dem geweissagt wurde, sein Sohn werde ihn töten, einem Sklaven übergeben, damit dieser das Kind umbringe. Der übergibt den Jungen jedoch einem Nachbarkönig, wo er unerkannt aufwächst und schließlich seine Bestimmung erfüllt: Er tötet seinen Vater, heiratet die Mutter und wird König von Theben.
  • Der Held Paris, Sohn des Königs Priamos, wird von seinem Vater ausgesetzt, da der Junge einer Weissagung nach Unheil über Troja bringen werde. Der damit beauftragte Hirte tut, wie ihm befohlen. Als er nach ein paar Tagen nochmal vorbeischaut, lebt der Knabe noch: Eine Bärin hatte ihn genährt. Er zieht Paris nun auf, dieser beweist sich als Jugendlicher im Kampf und kehrt schließlich nach Troja zurück. Der Rest ist bekannt.
  • Die Zwillinge Romulus und Remus werden von ihrem Großonkel, dem König von Alba Longa, einem Diener übergeben, damit dieser die Kinder beseitigt. Dieser setzt sie in einem Korb am Flussufer aus. Der Korb wird fortgeschwemmt und die Knaben werden von einer Wölfin gerettet und gesäugt. Später nimmt ein Hirt die beiden auf und zieht sie groß. Als Jugendliche beweisen sie sich im Kampf. Sie helfen ihrem Großvater wieder auf den Thron, indem sie den Großonkel töten. Dann gründen sie ihre eigene Stadt: Rom.
  • Auch von Sigurd (= Siegfried in der nordischen Überlieferung) wird die Geschichte berichtet. Er wird ausgesetzt, von einer Hirschkuh genährt und dann von Wieland dem Schmied aufgezogen.

[Bearbeiten] Interner Link

[Bearbeiten] Externe Links und weiterführende Literatur

  • Schneewittchen in der Wikipedia
  • Gerhard Binder, Die Aussetzung des Königskindes. Kyros und Romulus, Meisenheim am Glan 1964

[Bearbeiten] Die Geschichte von Schneewittchen, dem ausgesetzten Königskind und der bösen Königin wird in folgenden Publikationen verarbeitet

Mosaik ab 1976: 10/86, 383

Fancomic: Zehn Kinder- und Jugendliteratur-Klassiker erlebt zusammen mit den Abrafaxen ...
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