Königlicher Schutzbrief des Spielmanns

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Version vom 01:56, 6. Mai 2020

Fennrich und Arnulf diskutieren über den Schutzbrief des Königs

Der königliche Schutzbrief wird vom Spielmann Lothar in der Johanna-Serie des Mosaik ab 1976 vorgezeigt.

Inhaltsverzeichnis

Der Streit um den Schutzbrief

Der Spielmann Lothar reist mit seinem Eselskarren zur Burg Everstein, um an einem Sängerwettstreit teilzunehmen. Unterwegs versuchen die Grafen Arnulf von Wolfenstein und Fennrich von Rabenhorst, seinen Esel zu stehlen. Als Lothar dabei bedroht wird, zeigt er einen Brief vor. Dieser wurde vom König ausgestellt und stellt ihn unter dessen Schutz. Der Wolfensteiner will das Dokument an sich reißen, um den Sänger seiner Sicherheit zu berauben und an dessen Stelle königlichen Schutz zu genießen. Allerdings kann er nicht lesen. Fennrich von Rabenhorst weist ihn darauf hin, dass er als Träger des Dokumentes an dem Sängerwettstreit teilnehmen müsse. Schließlich gelingt es ihm, den Wolfensteiner überzeugen, den königlichen Schutzbrief zu achten. Lothar kann sein Dokument, sein Leben und seinen Esel retten und nimmt die beiden Grafen auf seinem Wagen mit.

Bemerkungen

Der Text des mit dem königlichen Siegel versehenen Briefes ist in mittelhochdeutscher Sprache abgefasst. Auch wenn Teile des Textes durch Daumen, Barthaare usw. verdeckt sind, ist deutlich zu erkennen, dass es sich eher um ein Minnelied als um einen königlichen Schutzbrief handelt. Hier stellt sich die Frage, ob sich Fennrich von Rabenhorst möglicherweise zum Hochstapler macht, indem er vorgibt, des Lesens mächtig zu sein – oder ob er des Lesens kundig ist, und von einem Geistesblitz getroffen eine List gefunden hat, mit der er den Analphabeten von Wolfenstein von seinem schändlichen Tun abbringen kann (letzteres würde die "innere Kündigung" seines Paktes mit dem Grafen von Wolfenstein, die am Ende des Heftes 399 deutlich wird, vorwegnehmen).

Quelle

Der Brief zeigt die Lieder Vro minne, ir lachet miner swere und Mir hat ein wib des deutschen Minnesängers und Kreuzfahrers Otto von Botenlauben (* 1177, † vor 1245). Dem Augenschein nach handelt es sich um ein Faksimile aus dem Codex Manesse, und zwar um einen Ausschnitt aus der Seite 28r. Da aber die Begegnung des Sängers mit den beiden Grafen schon in den 1280er Jahren (oder den frühen 90ern) stattfand, während die ersten Teile des Codex Manesse erst um ca. 1300 entstanden sind, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem in der Universitätsbibliothek zu Heidelberg aufbewahrten Pergament um eine Abschrift des königlichen Briefes handelt.

Original

Der Schutzbrief aus korrekter Leseentfernung

Kopie

Abschrift in der Universitätsbibliothek Heidelberg

Text in der Handschrift

In der folgenden Umschrift der Liedtexte aus der Manessischen Handschrift sind einige mittelhochdeutsche Schreibgewohnheiten aufgelöst worden; so wurde das lange ſ einfach mit s wiedergegeben, und u und v sowie i und j erscheinen als getrennte Buchstaben. Der Umlaut ů ist zu uo aufgelöst, ŏ zu ou. Verschiedene weitere Ligaturen wurden ebenfalls getrennt.

VRO minne ir lachent miner swere / des
ich mich nie von iu versach / wand ich
je hohte iuwer mere / doch mir nie guot von
iu geschach / ouch hant ir fröude mich entwen
det / diu min je wunekliche pflac / der muos
ich jener sin gepfendet / swie dike si mir
nahen lac / es ensi das si ein rede verendet /
der ich mich niht getrösten mac / mir hat
ein wib / herze und lib / betwungen und gar
verhert / diu ist so guot / swas si mir tuot / wil
si so wirde ich sanfte ernert / tuot si mir we /
doch wil ich e / betwungen sin von ir gewalt /
danne ich verber / die werden ger / und ouch
die sorge manicfalt / [...]

In der Kleinen Heidelberger Liederhandschrift befindet sich eine weitere Fassung derselben Texte mit leicht abweichender Orthografie, eine leider z.T. fehlerhafte Übertragung der letzteren ins lateinische Alphabet (keine Übersetzung ins heutige Deutsch) ist hier nachzulesen.

Bereinigter und übersetzter Text

In Reimform gebracht, die kleinen Schreibfehler des Kopisten korrigiert, mit Interpunktion und Groß- und Kleinschreibung versehen, lauten die beiden Lieder folgendermaßen. In der rechten Spalte findet sich eine freie Übersetzung.

Vro Minne, ir lachet miner swere.
Des ich mich nie von iu versach,
wand ich je hohte iuwer mere,
doch mir nie guot von iu geschach.
Ouch hant ir fröude mich entwendet.
Diu min je wunekliche pflac,
der muos ich jener sin gepfendet.
Swie dike sie mir nahen lac,
es ensi das sie ein rede verendet,
der ich mich niht getrösten mac.

Frau Minne, Ihr verlacht mein Leid.
Nie konnte ich Euer entsagen,
sondern immer erhöhte ich die Kunde von Euch,
doch von Euch ist mir nie Gutes widerfahren.
Auch habt Ihr mir Freude entwendet.
Derjenigen, die sich mir einst wonnevoll zuwandte,
der muss ich auf immer sein verpfändet.
Wie dicht sie mir auch nahe lag,
kann es doch sein, dass sie eine Rede vollführt,
über die ich mich nicht hinwegzutrösten vermag.

Mir hat ein wib
herze und lib
betwungen und gar verhert.
Diu ist so guot,
swas si mir tuot -
wil si, so wirde ich sanfte ernert.
Tuot si mir we,
doch wil ich e
betwungen sin von ir gewalt.
Danne ich verber
die werden ger
und ouch die sorge manicfalt.

Mir hat ein Weib
das Herz und den Leib
bezwungen und verwüstet.
Das ist so gut,
was sie mir tut -
will sie, so werde ich sanft geheilt.
Tut sie mir weh,
so will ich trotzdem
von ihrer Gewalt bezwungen sein.
Dann entsage ich
der lustvollen Gier
und auch der mannigfaltigen Sorge.

Externe Links

Der königliche Schutzbrief wird in folgendem Mosaikheft gezeigt

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