Zappizupp

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Für den einen sind es die hässlichsten Puppen der Welt ...

Die Zappizupps sind aufsehenerregende Objekte aus der Johanna-Serie im Mosaik ab 1976. Sie bilden den Dreh- und Angelpunkt der Puppenkrise von Heppenstedt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Aussehen und Herkunft

Bei den später so genannten Zappizupps handelt es sich um kleine Handpuppen. Sie bestehen im Grundgerüst aus kleinen Ästchen, über die ein kleines Stoffgewand genäht wird. Oben auf steckt ein Kopf, der wohl aus einem strohgefüllten Stoffsäckchen besteht. Die Köpfe sind mit strichmännchenartigen Gesichtszügen bemalt (Augen, Mund, Nase). Die Gewänder der Handpuppen sind verschiedenfarbig.

Die Püppchen werden von der alten Martha hergestellt. Martha lebte früher in Heppenstedt, wurde aber aus Altersgründen aus der Stadt vertrieben und lebt nunmehr in einer alten Hütte im Wald. Sie hat die Puppen in langwieriger Arbeit hergestellt, um sie in der Stadt zu verkaufen. Die erste Produktionscharge besteht aus 20 Exemplaren. Allerdings sind die Püppchen insbesondere durch ihre verzerrten Gesichtszüge derart hässlich, dass sie auf Kinder - Marthas eigentliche Zielgruppe - regelrecht beängstigend und abschreckend wirken. Möglicherweise liegt das daran, dass Martha aufgrund ihres Alters nur mit zitternden Händen arbeiten kann oder durch nachlassende Sehkraft nicht mehr präzise genug arbeiten kann.

[Bearbeiten] Die Legendenbildung

Die Abrafaxe haben Martha geholfen, den Korb voller Puppen zum Markt zu tragen. Abrax erhält dafür eine der zwanzig Puppen geschenkt. Im örtlichen Wirtshaus bekommen die Abrafaxe mit, wie sich Bäckermeister Ullrich und Kaufmann Rudolf über ihre Puppe lustig machen. Die Abrafaxe, die der armen Martha gerne helfen wollen, kontern, indem sie behaupten, die hässlichen Puppen seien in Wirklichkeit "Zappizupps" (eine Bezeichnung, die Abrax spontan erfindet) und sie würden aus dem Morgenland stammen. Diese Zappizupps seien geradezu ungeheuer wertvoll: Kaiser Friedrich habe einen Zappizupp an seinen Hof gebracht, der Papst hätte mindestens ein Dutzend davon und der König von Frankreich welche bestellt. Ihren Zappizupp hätten die Faxe vom Kaiser von Konstantinopel erhalten.
Ullrich und der Kaufmann schlucken die Lügengeschichte sofort. Sie fragen sich zwar sogleich, woher dann wohl die alte Martha die Puppen gehabt hat, lassen sich aber sofort einreden, ein Tempelritter habe die wertvollen Sammlerstücke im Wald verloren.

Daraufhin entwickelt die Legende ein vollständiges Eigenleben. Der Bäcker und der Kaufmann kaufen nicht nur Martha ihre Puppen nunmehr gerne ab, sondern mit jedem Weiterverkauf steigt deren Preis immer höher. Die Abrafaxe tragen nur noch mittelbar zu der Legende bei: Bei einer Gelegenheit lassen sie beiläufig die Bemerkung fallen, Zappizupps seien nicht mit Gold aufzuwiegen, was zwei zufällig anwesende Wachsoldaten nur noch in der Überzeugung bestärkt, gemachte Männer zu sein. Ebenso wirken auf zahlreiche Einwohner von Heppenstedt alle möglichen Bruchteile der Geschichte - die Aussagen werden unbewusst hochgespielt und bestärken wiederum den Effekt der Legende. Aus diesen Effekten heraus entwickelt sich schließlich eine echte Krise.

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[Bearbeiten] Wertsteigerung der Zappizupps

Für welchen Betrag die alte Martha die Zappizupps ursprünglich auf dem Markt verkaufen will, ist nicht bekannt. Es kann sich jedoch höchstens um sehr geringe Pfennig-Beträge handeln, da sie glücklich darüber ist, den ganzen Korb mit immer noch 19 Puppen für nur ein halbes Silberstück an den Bäckermeister Ullrich verkaufen zu können.

Die beiden Torwächtern, die für ihr Stillschweigen je einen Zappizupp geschenkt bekommen, setzen diese kurz darauf zur Begleichung der Zeche im Halbtoten Spanferkel ein, wobei die Wirtin noch überzeugt ist, ein fantastisches Geschäft gemacht zu haben. Ullrichs Frau verkauft alle Zappizupps ihres Mannes immerhin schon für drei bis acht Silberlinge pro Puppe. Dann geht die Preissteigerung infolge der Puppenkrise immer rasanter voran: Rudolf verkauft dem Bürgermeister eine für zwölf Silberlinge; Abrax verkauft seine Puppe an den Schneider für 35 Silberlinge; der Schuster bezahlt gar fünfzig Silberstücke für eine Puppe. Bis zu 85 Silberstücke werden schließlich gezahlt.

Da auf dem Höhepunkt der Puppenkrise dieselbe durch ein totales Handelsverbot für Zappizupps beendet wird, dürfte der Verkehrswert der Puppen schnell wieder auf ihren ursprünglichen Wert bzw. Unwert abgesunken sein.

[Bearbeiten] Namensgebung, Vorbilder

Der Name "Zappizupp" wird, wie erwähnt, spontan von Abrax in die Welt gesetzt. Woher die Wendung kommt, erschließt sich nicht ganz. Es konnte sich um die Kombination von Wortbestandteilen aus Zappeln, Zippen und Zappen handeln (wobei letztere beiden Wörter moderner Herkunft sind und im Mittelalter nichts zu suchen haben) oder sogar eine Verballhornung von "Zickzack" handeln. In jedem Fall ist die Bezeichnung auch von den Zeitgenossen nicht einfach zu merken; im Laufe der Ereignisse werden sie nacheinander als Zuppipupps, Zappidingsbums, Schubbischabbs, Schappischupps und Zuppiduppis verballhornt.

Insgesamt könnte es sich bei der Idee, die Puppen kurzerhand als "Zappizupps" auszugeben und einen imaginären Wert zu behaupten, um eine Anlehnung an Motive aus Umberto Ecos Roman Baudolino handeln. Auch dort werden vom Protagonisten gewöhnliche Dinge kurzerhand zu legendären Objekten beispielsweise religiöser Natur erklärt und außerdem mit berühmten Persönlichkeiten (Kaiser, Heilige usw.) in Verbindung gebracht, um sie zu legitimieren. Die Menschen lassen sich nur allzu leicht von diesen Legenden überzeugen und potenzieren die Wirkung der Objekte durch das Weitertragen und -spinnen der Geschichte.

[Bearbeiten] Zappis erleben ihren Höhenflug in folgendem Heft

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