Kreuzzug

Aus MosaPedia

(Unterschied zwischen Versionen)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Version vom 00:22, 18. Jan. 2007

Kreuzzug

Inhaltsverzeichnis

Die Kreuzzüge und das MOSAIK

Die Kreuzzüge in das Morgenland gehören als bedeutende Ereignisse des 11., 12. und 13. Jahrhunderts zum historischen Hintergrund der sogenannten Runkel-Serie und der sogenannten Mittelalter-Serie.

Die Kreuzzüge und die Runkel-Serie

Die Digedags werden rein zufällig zu Kreuzfahrern, weil sie dem Ritter Runkel ein unbedachtes Versprechen gegeben haben. Die gesamte Reise Ritter Runkels in den nahen Osten kann als parodierende Wiederholung der realen Kreuzzüge, als Farce gelesen werden. Bekanntlich geht Runkel erst im Jahre 1284 auf seine Kreuzfahrt – zu dieser Zeit lag der letzte Kreuzzug in den Nahen Osten (der auch nur ein kläglicher Versuch war) mehr als ein Jahrzehnt zurück, der machtvolle beginn der Kreuzzüge sogar beinahe zwei Jahrhunderte. An beinahe jeder Station der Reise fällt Runkels Unternehmen als Anachronismus auf. In Venedig blickt man zwar sehnsüchtig zurück auf die einträglichen Kreuzzüge, doch die Zeiten der Ritter sind endgültig vorbei – vor allem, wenn Runkel erlebt: als er wie weiland Roland in sein Horn stößt, eilen keine mächtigen Recken herbei, ihm zu helfen, sondern seine beiden zwergenhaften Schildknappen Dig und Dag. Wenn er ins Turnier zu Venedig zieht, dient er allenfalls als Zielscheibe für den ortsansässigen Adel (nicht zuletzt wegen seines altersschwachen Schlachtrosses Türkenschreck) und wenn sein Schiff für die Überfahrt macht er zu einer schwimmenden Burg. Gleichwohl ist der Ritter ein letzten Endes sympathischer Zeitgenosse – eben, weil er die Augen vor der Realität verschließt und an seinen – wenn auch seltsamen – Idealen festhält. Und er ist immer für eine Überraschung gut.

Die Kreuzzüge und die Mittelalter-Serie

Anders als die Digedags kommen die Abrafaxe nicht unmittelbar mit der Kreuzzugsbewegung in Berührung. Ihnen bleibt es erspart, sich - wie die Digedags – an der Seite einer Karikatur eines Kreuzfahrers auf dem Weg ins Morgenland zu blamieren. Allerdings gehören die Kreuzzüge zum allgemeinen Hintergrund der politischen Ereignisse, in die die Abrafaxe verwickelt werden.


Die historischen Kreuzzüge

Als Kreuzzüge im engeren Sinne bezeichnet man die auf die Eroberung Jerusalems gerichteten mittelalterlichen Kriegszüge. Insgesamt gab es sieben solcher Kreuzzüge, die allerdings meist erfolglos endeten. Lediglich der erste und der fünfte Kreuzzug kamen dem eigentliche Ziel nahe – im ersten Kreuzzug wurde Jerusalem erobert (1099, 1187 durch Saladin zurückerobert), im fünften Kreuzzug wurde auf dem Verhandlungsweg der freie Zugang zu den heiligen Stätten erreicht. Besonders der vierte Kreuzzug (in dessen Verlauf das christliche Konstantinopel im Jahre 1204 mit der üblichen Brutalität eingenommen wurde) und die verschiedenen, auch als Kreuzzüge bezeichneten Feldzüge gegen die Albigenser, die Stedinger und später die Hussiten zeigen die starke Gefahr des Missbrauchs der Kreuzzugsidee: Der Kreuzzug wurde zum Mittel, ganz profane Ziele zu erreichen – politische Rivalen zu vernichten (Albigenserkreuzzug, 1209 - 1229), rivalisierende Handelsmächte (wie Konstantinopel) auszuschalten oder aufbegehrende Bauern niederzuschlagen (Stedingerkreuzzug, 1232 - 1234). Im MOSAIK wird diese Seite der Kreuzzugsbewegung betont, während die zumindest am Anfang vorhandenen und auch später nicht zu vernachlässigenden religiösen Motive nicht berührt werden. Das entspricht der insgesamt antiklerikalen Ausrichtung des MOSAIKS. Nicht zufällig geht Runkels Fahrt über Venedig und Konstantinopel und nicht zufällig geht es bei Runkels Fahrt um einen Schatz, der sich allerdings schließlich nur als die verhältnismäßig wertlose Flüchekasse eines Emirs erweist. Die Gestaltung der ambivalenten Figur Ritter Runkels und seines schwierigen Verhältnisses zu den Digedags gehört gleichwohl zu den bemerkenswertesten Leistungen der MOSAIK-Schöpfer und ist sicher einer der Gründe für die nicht nachlassende Beliebtheit des inzwischen legendären Ritters und der nach ihm benannten Serie.

Literatur

  • Jacques LeGoff, Das Hochmittelalter“, Frankfurt (M.) 1991, Fischer Weltgeschichte Band 11
  • Stephen Runciman, Geschichte der Kreuzzüge“, München 1989
Persönliche Werkzeuge