Meisterschuss auf mathematischer Grundlage

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"Des Schützen Herz erst richtig lacht, wenn dann noch die Muskete kracht!"

Der Meisterschuss auf mathematischer Grundlage ist ein militärisch-technischer Geniestreich in der Adria-Serie des Mosaik ab 1976.

Der Schuss gelingt Abrax, als er mit Brabax zur Vermeidung jeglichen Blutvergießens bei der Sprengung des Kastells mit einem Handstreich auch die letzten vier Wachen aus eben diesem vertreiben will. Dafür müssen Abrax und Brabax allerdings erst einmal ins Kastell. Zum Glück haben Rodolfo Arturo Makkaronetti, der Pikenier Marini, der Turmwächter vom Dienst und Scaramuccio keine Lust gehabt, die Zugbrücke komplett hochzuziehen. So kann Abrax mit nur einem Schuss aus seiner Muskete die rechte und die linke Kette der Brücke zerschießen, indem er den Querschläger beim Geschoßaufprall an der Kastellmauer nutzt.

Die Idee für diesen genialen Schuss ist im Dialog zwischen Abrax und Brabax entstanden. Brabax bietet sich auch sogleich an, den "ganz bestimmten Standort", den Abrax für den Abschuss braucht, zu berechnen.

Inhaltsverzeichnis

Genauere Analyse von Brabax' Berechnungen

Für Brabax' mathematisches Genie war es nicht schwer, den Punkt zu bestimmen, an dem das Geschoss nach Durchschlagung der einen Kette die Mauer treffen und als Querschläger die andere Kette zerreißen sollte. Standort und Ziellinie ergaben sich aus dem Aufschlagwinkel.

Durchschlagung der einen Kette

Da der Proviantmeister gegenüber Scaramuccio äußert: "Diese Winden sind lange nicht geschmiert worden.", läßt sich natürlich vermuten, dass die ganze Zugbrückenanlage in ihrer Wartung stark vernachlässigt wurde. Aber so lange und so stark, dass eine einzige Kugel einer Muskete durch "Streifen" einer Kette diese zerstört? Man beachte, dass eine Muskete gerade einmal eine Mündungsgeschwindigkeit von ca. 290 m/s erzeugen kann.

Oder ist eine Musketenkugel derartig stabil, dass sie die Kette durchschlagen kann, ohne sich dabei zu verformen, oder gar ihre Bahn zu ändern? (Zitat: "...nahm man runde Steine und schließlich Bleikugeln, die sich wegen der hohen spezifischen Dichte und ihrer leichten Formbarkeit am besten eigneten. Bleikugeln blieben bei Handfeuerwaffen die erste Wahl bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.")

Die Mauer treffen und als Querschläger ...

Brabax' Plan, den Querschläger der Musketenkugel als Präzisionsgeschoss für den zweiten Treffer zu nutzen, setzt wiederum zwei Dinge voraus:

  • abermals die Unverformbarkeit der Musketenkugel, und
  • eine völlig glatte Wand, die den Querschläger nach dem Reflexionsgesetz ideal umlenkt.

Die Toröffnung wird nach oben durch ein Gesims abgeschlossen, und weiter oberhalb ist eine Statue in die Wand eingelassen. Zwischen beiden verbleiben nur wenige Handbreit glatter Wand, auf denen Abrax seinen Meisterschuss ansetzen kann.

Durchschlagung der anderen Kette

Gelingt die Durchschlagung der rechten Kette, gibt es einen kaum zu kalkulierenden Ruck am Zugbrückenelement. Zuerst durch das Hochreißen der rechten Kette und anschließend durch die Last des Brückentores, welches ab diesem Moment von der anderen Kette allein gehalten werden muss.

Andererseits könnte natürlich eine straffere Kette leichter durchtrennt werden.

Standort und Ziellinie ergaben sich aus dem Aufschlagwinkel

Brabax hat in seiner Bodenskizze auf die Markierung des Aufschlagwinkels verzichtet. (Bei Reflexion spräche man für diesen übrigens vom Einfallswinkel.) Er hat gleich den doppelten Aufschlagwinkel und keinen weiteren Winkel eingezeichnet. Auch nicht den rechten Winkel zwischen Kastellmauer und Zugkette. Damit verzichtet er auf alle möglichen Winkelsätze (Komplementärwinkel, Innenwinkelsumme, Scheitelwinkel) und auf Berechnungen mit dem Sinus eines Winkels oder dem Satz des Pythagoras.

Richtig eingezeichnet hat Brabax die gleiche Anzahl der Kettenglieder von der rechten Durchschlagstelle der Kette zur Wand (Punkt A der Skizze) und der Wand zur linken Durchschlagstelle (Punkt B). Ein erneuter Hinweis auf die angedachte Lösung übers Reflexionsgesetz, welches in diesem Fall spezifiziert heißen müsste: Auftreffwinkel ist gleich Querschlägerwinkel! und den Punkt P in der Mitte zwischen beiden Ketten implizieren würde. Dazu findet man aber wiederum keine Anmerkung.

Völlig außer Acht bleibt, dass das, was in der Zeichenebene einfach aussieht, in der dreidimensionalen Realität allein mit dem Augenmaß bewaffnet ungleich schwerer umzusetzen ist. So ist in der Draufsicht über den Burggraben hinweg kaum einzuschätzen, ob die Festungsmauer lotrecht gemauert ist oder wie groß ihr eventueller Neigungswinkel wäre.

Bedenkt man nun noch ...

Bedenkt man nun noch, daß eine leichte Krümmung des Laufes, hervorgerufen durch eine zweckwidrige Verwendung als Hebel bei der Reperatur eines Wagens, zu berücksichtigen war, dann erst wird dieser Meisterschuß auf mathematischer Grundlage richtig gewürdigt.

Fazit

Das Fazit fasst wahrscheinlich am besten Schützenregel 4 zusammen:

Ob krumm der Lauf, das Pulver naß, ein guter Schütz trifft immer was.

Bemerkung

Der Meisterschuss war konzeptionell eine recht gute Möglichkeit, die noch jungen Charaktere der Hauptprotagonisten beim Leser herauszustreichen bzw. zu vertiefen. Allerdings sind Brabax' Aufzeichnungen zu seinen Berechnungen recht geringfügig. Das kann bedeuten, dass er tatsächlich ein mathematisches Übergenie ist, weil er alles Wichtige im Kopf berechnet hat, oder er hat einfach nur seine altkluge Seite gezeigt und auch, dass er als Wissenschaftler nicht frei geradeaus denken kann, sondern immer etwas kompliziert. Optisch verstärkt natürlich das Panel mit Brabax' Zeichnung auf dem Boden den Eindruck des schlauesten Abrafaxes, vermittelt andererseits aber auch keine Abneigung wegen der von vielen Schülern weniger gemochten Mathematik.

Der Meisterschuss auf mathematischer Grundlage gelingt in folgendem Heft

Mosaik ab 1976: 3/77
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